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Helmut Lortz: der Gebrauchsgrafiker

Wir laden herzlich ein zum Besuch unserer Ausstellung
zum 100sten Geburtstag von Helmut Lortz
ab Dienstag, dem 26. Mai
bis einschließlich Sonntag, dem 23. August 2020

Innerhalb des konzertierten Ausstellungsreigens zum Werk des Universalgenies Professor Helmut Lortz (1920 bis 2007) erinnert das Institut für Neue Technische Form (INTeF) in seinen ansprechenden Räumen am Friedensplatz 11 mit unverwechselbaren Signets, Buchcovers und -reihen, Katalogen, Illustrationen, Grafiken, Einladungen, Zeichnungen, Postern, privaten Skizzenbüchern bis hin zu visuellen Programmen an Helmut Lortz als einen der prägendsten Gebrauchsgrafiker der Nachkriegszeit.

Das INTeF stellt Helmut Lortz mit der visuellen Interpretation gesellschaftlicher Themen (Darmstädter Gespräche) wie mit der Vermittlung künstlerischer Positionen (Darmstädter Sezession) als Plakatkünstler vor. Dann als Entwerfer von Zeichen und ihrer Erweiterung zu visuellen Programmen für kulturelle wie für kommerzielle Auftraggeber sowie als Buchgestalter mit langlebigen Konzepten für Serien und Einzelausgaben, Buchumschlägen und Illustrationen für viele Darmstädter Autoren.

Darüber hinaus bildete Helmut Lortz über viele Jahrzehnte als Hochschullehrer Studierende aus: Zunächst leitete er zwischen 1952 und 1959 die Klasse Gebrauchsgrafik an der Werkkunstschule Darmstadt. Später wirkte er zwischen 1959 und 1986 als Professor für experimentelle Grafik an der Hochschule für Künste Berlin. Diese Zeit wird in der INTeF-Ausstellung mit Originalen seiner „Reihen“-Publikationen und mit völlig unterschiedlichen Statements einiger seiner ehemaligen Schüler, den Berliner Absolventen als „Hommage à Helmut Lortz“ gewürdigt.

Zu sehen ist eine Fülle von Büchern mit klarer Gestaltung der Darmstädter Schriften im Justus von Liebig Verlag sowie der Bauwelt Fundamente im Bertelsmann Fachverlag. Hier kann der Besucher in Texten der Autoren Kurt Schleucher, Kasimir Edschmid, Hermann Graf Keyserling, des Archivars Eckhart G. Franz, des ehemaligen Oberbürgermeisters der Stadt Darmstadt, Heinz Winfried Sabais lesen oder sich über den Maler Ludwig Meidner, das Deutsche Polen-Institut Darmstadt, die Geschichte der hiesigen Volkshochschule oder den Grafiker Hartmuth Pfeil informieren. Eindrucksvoll stehen diese Bücher Band um Band in unterschiedlicher Farbigkeit nebeneinander wie auch die der Bauwelt Fundamente, die dagegen aber streng in Schwarzweiß daherkommen. Hier wirkt der starke Kontrast sowie die Masse der in Reih und Glied stehenden Bücher, die beide von Helmut Lortz als langlebige Reihe konzipiert sind.

Auch die plakativen Lortz‘schen Signets, gleichberechtigt hochvergrößert und quadratisch gerahmt, prägen sich gut sichtbar ein: vom Künstlerkeller im Schloss über die Darmstädter Sezession bis hin zur Möbelfirma Eugen Schmidt, der Hochschule der Künste Berlin, der Druckerei Reinheimer bis hin zur Internationalen Funkausstellung Berlin. Der Bezug zum Institut für Neue Technische Form (INTeF) wird durch das Plakat des 3. Darmstädter Gesprächs mit dem Titel „Mensch und Technik“ sowie den Katalogen zu den Sonderschauen auf der Frankfurter Konsumgütermesse und anderer Einladungen und Postern zu Designausstellung im Alfred-Messel-Haus im Eugen-Bracht-Weg 6 deutlich. Buchcover aus den Vierzigerjahren für Robert Nathan, Georg Hensel oder Fritz Usinger sowie die Gestaltung von Titeln der Kunstwelt, der japanischen Idea oder zur Gebrauchsgrafik zeigen, wie unterschiedlich und vielseitig Lortz dachte und arbeitete. Kataloge zur Sezession, Broschüren zum Kultursommer, der Kunsthandlung Robert d‘Hooghe oder zur Musikzentrale mit Darmstädter Motiven zeugen ebenfalls vom Einfallsreichtum dieses universellen Gebrauchsgrafikers. Einzigartig sind freilich auch seine Plakatentwürfe zu Jazz-Konzerten, Theaterveranstaltungen, Konzerten, Bällen oder die Verpackungen für Jenaer Glas-Objekte oder den Fachverband Fachschachtel Industrie, für die Helmut Lortz immer eigenwillige Schrift-Bilder schuf. Im meterlangen, bebilderten Lebenslauf kommt dem Betrachter Helmut Lortz als Mensch nahe, in dem er vor allem auch dessen enge Bindung zur Stadt Darmstadt mit seinem Stadtteil Arheilgen – freilich auch zu Berlin, wo er über Jahrzehnte lehrte - spürt.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Samstag 11 bis 17 Uhr
Sonntag 11 bis 14 Uhr
Pfingstsonntag und Fronleichnam geschlossen


Katalog


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Konzept und Gestaltung: Christof Gassner und Katrin Holst.
Es gibt viele Publikationen über das künstlerische Werk von Helmut Lortz.
In diesem Katalog wird zum ersten Mal umfassend das gebrauchsgrafische Werk dargestellt.
Er ist für 20 € im INTeF erhältlich.

Einführung


In einem Video stellt Kurator Christof Gassner die Ausstellung vor.

Film über die Ausstellung

https://intef.info/hl/index.html

Sponsoren

Wissenschaftsstadt Darmstadt
Prinz Ludwig Stiftung
Merck’sche Gesellschaft für Kunst & Wissenschaft
Bürgerstiftung Darmstadt
entega Stiftung
Druckerei Ph. Reinheimer, Darmstadt
Darmstädter Förderkreis Kultur e.V.
ffi Fachverband Faltschachtel-Industrie e.V.
Sparkasse Darmstadt




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INTeF-Designschnipsel

Wir erinnern an den bedeutenden deutschen Industriedesigner Heinrich Löffelhardt, der am 24. Dezember 1901 in Heilbronn geboren wurde. Für den gelernten Bildhauer waren Gefäße wie handwerklich modellierte Plastiken.


Ess-, Tee- und Kaffee-Service, Trinkgläser, Krüge, Schalen, Platten, Flaschen, Vasen, Ascher: Heinrich (Heinz) Löffelhardt prägte das Erscheinungsbild von Gebrauchsformen aus Glas und Porzellan von den Fünfzigerjahren bis zum Ende der Sechzigerjahre. Seine zeitlos schönen Entwürfe für Arzberg und Schott-Zwiesel, die sich durch Einfachheit, Klarheit, Eleganz und Funktionalität auszeichnen, werden bis heute hergestellt. Der studierte Bildhauer war seinerzeit hinsichtlich nationaler wie internationaler Designauszeichnungen und erzielter Verkaufszahlen seiner Gegenstände der erfolgreichste Formgeber in der deutschen Porzellanindustrie.

Schalen und Teller 3001 Kristall glatt, Foto Willi Moegle

Nach dem Abitur 1920 ließ sich „Lö“ bei der Heilbronner Silberwarenfabrik Peter Bruckmann & Söhne ausbilden, dessen Seniorchef ihm durch ein Stipendium ermöglichte, ab 1924 bei Georg Kolbe in Berlin Bildhauerei zu studieren. Der junge Bildhauer kehrte als freier Entwerfer zur Industrie zurück und entwickelte ab 1934 im Auftrag des Amtes „Schönheit der Arbeit“ Kantinengeschirre, die unter anderem von Gebr. Bauscher und den Keramischen Werken Bohemia in Neurohlau gefertigt wurden. 1937 lieferte Rosenthal das von ihm gestaltete Teeservice 700 „Schönheit der Arbeit“ an den Reichsarbeitsdienst. Charakteristisch waren der zwiebelförmige, glatte Kannenkörper mit fingerbreitem Halsring, die geschweifte Röhrentülle und der Bandhenkel. Die Rosenthal-Tochter Thomas brachte den Entwurf „Barb“ in den Handel. 1937 verpflichtete Wilhelm Wagenfeld Löffelhardt als Mitarbeiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser. Vier Jahre später wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kehrte erst 1947 aus sowjetischer Gefangenschaft zurück. Weil sich in der Wirtschaft wenig Aussichten boten, folgte er Wagenfeld nach Stuttgart und wurde 1949 im Referat für Formgebung des Landesgewerbeamtes tätig, wo er nach Wagenfelds Ausscheiden dessen Nachfolger wurde. Sein besonderes Verdienst war es, mit Ausstellungen und Publikationen der heimischen Industrie nach Jahren der Isolation den Anschluss an internationale Standards zu erleichtern. Gleichzeitig entwarf er wieder für die Industrie: Für die Sicherer’sche Apotheke in Heilbronn entwarf Lö Standgefäße; die Gral-Glaswerkstätten Göppingen produzierten seine Stapelascher. Ende 1952 wurde er künstlerischer Leiter der Porzellanfabriken Arzberg und Schönwald und damit verantwortlich für das gesamte Sortiment. Das Design beider Unternehmen war untrennbar mit dem Namen Hermann Gretsch verbunden, dessen „zeitlos moderne“ Linie weiterfortgeführt werden sollte. Heinz Löffelhardt entwickelte 1954/55 drei Modelle (Arzberg 1542, Arzberg 2000, Schönwald 411), die sich an Gretschs Vorkriegsentwürfen orientierten, aber mit einem eleganten Schwung daherkamen.


Schalensatz 1100 für Arzberg, ausgezeichnet mit dem Grand Prix der XII. Trienale in Mailand, Foto Willi Moegle

1960 kamen die Stapelschalen Arzberg 1100 auf den Markt, deren präzise, rechteckige Formen besondere technische Forderungen an die Produktionsabteilung stellten. Die Idee, mit nur wenigen Teilen durch unterschiedliche Kombinationen eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten zu schaffen, war neu und bewährt sich bis heute. Bei seinem letzten Entwurf, Arzberg 2007 Residence, kehrte Löffelhardt 1969 zu organischen Formen zurück. Über zwei Jahrzehnte bestimmte dieser Formgeber das gesamte Erscheinungsbild der produzierten Geschirre und Geschenkartikel. Sämtliche Entwürfe von Löffelhardt hat Willi Moegle in beeindruckenden Sachfotografien festgehalten. Ab 1954 war Heinz Löffelhardt für die Formgebung des Jenaer Glaswerks Schott & Gen. in Mainz verantwortlich, einschließlich des Tochterunternehmens Vereinigte Farbenglaswerke Zwiesel. Als Designer hatte er Wagenfeld abgelöst, was zu einem Streit zwischen den beiden führte. Löffelhardt ersetzte Wagenfelds Entwürfe durch ein „moderneres“ Programm, sowohl im Bereich des geblasenen Glases (Teegeschirr) wie des Pressglases (Backformen). Die gläserne Teekanne von Löffelhardt wurde von der US-Zeitschrift Fortune 1977 zu den 25 besten Designleistungen der Gegenwart gezählt. Mit Hans Erich Slany formte er 1958 für Zeiss Ikon die Kompaktkamera „Zeiss Ikonette“, eine der ersten Kameras mit Kunststoffgehäuse. 1959 wurde Löffelhardt in den Aufsichtsrat des Arzberger und Schönwalder Mutterkonzerns Kahla berufen, 1963 dann auch in den Aufsichtsrat der Vereinigten Farbenglaswerke. 1971 schied er wieder als künstlerischer Leiter der Unternehmen aus und 1977 endete auch seine Arbeit für Schott-Zwiesel. 1976 erhielt Heinrich Löffelhardt die Ehrenmitgliedschaft im Verband Deutscher Industrie Designer, 1978 wurde er zum Ehrensenator der Stuttgarter Akademie der Künste gewählt. Heinrich Löffelhardt starb am 22. Mai 1979 in Stuttgart.

Informationen unter anderen aus: Carlo Burschel (Herausgeber) „Heinrich Löffelhardt“, Industrieformen der 1950er bis 1960er Jahre aus Porzellan und Glas – die Gute Form als Vorbild für nachhaltiges Design, Verlag H. M. Hauschild GmbH, 2004


Institut für Neue Technische Form (INTeF), Friedensplatz 11, 64283 Darmstadt